Japanische Comics sind 'murehsredna' Die Inhaltsangabe auf dem "Cover" und auf der ersten Seite ein grosses "Halt!" - Mangas sind fuer europaeische Augen gewohnheitsbeduerftig. Denn sie werden im wahrsten Sinne "andersherum" gelesen. Von hinten nach vorne und von rechts nach links. In Japan gehoeren Mangas (von "man" fuer spontan und "ga" fuer Bild) einfach zum taeglichen Leben. Angeblich wird dort mehr Papier fuer Mangas gebraucht als fuer Hygieneartikel. Allerdings erweisen sich die meisten Mangas als ebenso kurzlebig. Die geuebten Japaner brauchen fuer einen etwa dreihundert Seiten starken Manga kaum mehr als 20 Minuten. Was fuer die meisten japanischen Berufs-Pendler gerade mal fuer eine Bahnfahrt reicht. Und deshalb bleiben die Mangas oft buchstaeblich auf der Strecke. Kein Wunder also, dass fuer die kleinen Comics kein grosser Aufwand getrieben wird. Die Cover sind bunt, innen kommen Mangas allerdings farblos daher. In Europa galten die "Spontanbilder" lange als unuebersetzbar. Verlage hielten eine aufwendige Umgestaltung der Originale fuer notwendig. Nicht nur wegen der Leseweise, sondern auch wegen der Erzaehltechnik. Handlungen werden in Mangas viel "breiter" dargestellt, als es auf dem westlichen Comicmarkt ueblich ist. Eine wie im Asterix-Comic typische Streitszene mit zwei synchronen Sprechblasen-Ketten kommen in Mangas fast nie vor. Dafuer werden Kampfszenen zum Beispiel in der Reihe "Slayers" gerne ueber etliche Seiten gestreckt. Mittlerweile erobern Mangas aber immer groessere Teile des westlichen Comicmarkts. Und zwar in der traditionellen "umgedrehten" Aufmachung. Das erfordert nur eine kleine Zeit der Eingewoehnung. Aber nach wenigen Seiten haben auch durchschnittliche Europaeer keine Schwierigkeiten mehr. Zwar sind die hiesigen Mangas noch weit davon entfernt, Marktanteile wie in Japan (etwa dreissig Prozent aller Druckerzeugnisse) zu erziehlen, aber zum Beispiel im Carlsen Verlag in Hamburg machten die Mangas letztes Jahr rund 40 Prozent des Comic-Umsatzes aus. In diesem Jahr soll vor allem "Prinzessin Mononoke" fuer noch mehr Erfolg sorgen. Vorlage fuer diese vierteilige Reihe war der gleichnamige Film, der erfolgreichste Zeichentrickfilm aller Zeiten. In Deutschland war er noch nicht zu sehen, soll aber bald auch hier in die Kinos kommen. Erzaehlt wird die Geschichte von Prinzessin Mononoke, die bei Woelfen aufgewachsen ist und gemeinsam mit den Tieren gegen den Raubbau im Wald kaempft. Das Thema klingt hochaktuell, die Handlung spielt aber im Japan des 15. Jahrhunderts. Aber eigentlich ist sie zeitlos. Denn es geht nicht nur um die Gegensaetze von Natur und Zivilisation, sondern - natuerlich - auch um die Liebe. Und das ausnahmsweise mal in Farbe. Die Geraeusche werden uebrigens auf Wunsch des Zeichners Hayao Miyazaki auch in der deutschen Fassung mit japanischen Schriftzeichen beschrieben. Da wird das Lesen zum lustigen Geraeuscheraten. Doch das schadet der aufwendig erzaehlten Geschichte wenig. Und mit ein bisschen Glueck erraet man dabei auch noch, wie zum Beispiel "Knurr!" in Japanisch geschrieben wird. Katja M. Eggers [Ruhr Nachrichten, Freitag, 28. April]