Überleben in der Apokalypse Ein Blick auf die japanische Comic-Kultur FRANKFURT A. M. (ewe). "Manga? Akira! - Vom Überleben (in) der Utopie des japanischen Comics" - eine Veranstaltung der Deutsch-Japanischen Gesellschaft, die vor allem Insider in ihren Bann zog. Dabei handelt es sich um Populärkultur, wie in Deutschland "Werner" oder "Das Kleine Arschloch" , nur in einem viel gigantischeren Ausmaß. Germanistikprofessor Wolfgang Neuber, Vertreter klassischer deutscher Literaturwissenschaft, gab einen Einblick in die Welt des japanischen Mangas. Japans Comic-Markt ist der größte der Welt. 30 Prozent aller Druckerzeugnisse sind "Mangas", übersetzt "spontane Bilder". Japans beliebtestes wöchentlich erscheinendes Comicheft hat eine Auflage von sechs Millionen Exemplaren. Probleme gab es lange Zeit bei der Einführung der Schwarzweißheftchen auf dem westlichen Markt. Japaner lesen von rechts nach links, die Anordnung der Bilder ist vertikal. Die Umstellung der Lautmalereien erwies sich als enorme Arbeit. Im Mittelpunkt des Vortrags von Wolfgang Neuber stand die Analyse des Comicerfolgs "Akira" von Katsuhiro Otomo. Die Lektüre der mehrbändigen, insgesamt 2160 Seiten umfassenden Geschichte, bestehend aus 12 000 Einzelbildern, verlangt vom Leser filmisches Denken. Der Comic besteht, wie ein Zeichentrickfilm, aus einer schnellen Schnittfolge von Bildern. Ein Stilmittel, dass dem Betrachter das Gefühl der "Echtzeit" vortäuscht. Zu Beginn von "Akira" steht die totale Zerstörung Tokios. Eine wiederkehrende Fantasie in Japans Comicliteratur. "Akira", der psychogene Fähigkeiten besitzt, kämpft als Anführer einer Motorradbande in Neu-Tokio. Typisches Merkmal, der von Neuber als "Cyber-Punk" bezeichneten Mangas, sei der realistische Hintergrund, in dem karikierte Figuren auftreten. Der Reiz der Utopien über Apokalypsen liegt für den österreichischen Germanisten der Universität Frankfurt auf der Hand: "Es ist das Überleben in ihr!" Alle Anhänger der Mangas sollten sich Samstag, 21.Oktober, 14 Uhr vormerken. Unter dem Titel "Warum Son-Goku ein Affenschwänzchen trägt" diskutieren auf der Buchmesse Fosanosuke Natsume, Manga-Experte aus Tokio, Susanne Phillips, Japanologin, Junko Iwamoto-Seebeck, Übersetzerin von "Akira", und Stefan Zeidnitz über die kulturellen und historischen Hintergründe der japanischen Comics. [ document info ] Copyright © Frankfurter Rundschau 2000 Dokument erstellt am 20.09.2000 um 23:56:16 Uhr Erscheinungsdatum 21.09.2000